pro-A-kids

Demokratie braucht Bildung!

Projekt: „African Kids“ heißt
unsere Initiative zur Förderung von
Bildungseinrichtungen in Kenia.

Nachhilfeunterricht Public Primary School Timau

2016 –             984,38 €  – v.a. Personalkosten u. 1 Ausflug

2015 –              549,63 €  –  v.a. Personalkosten

2014    –            901,83 €  –  v.a. Personalkosten

2013    –             837,02 €  –  v.a. Personalkosten

2012    –           2.905,42 €  – incl. Rundbau  / Fertigstellung u. Möblierung

2011      –          3.102,29 €  – incl. Rundbau / 1. Bauabschnitt

 Eines unserer wesentlichsten Vereinsmerkmale ist wohl die ständige Weiterentwicklung und Anpassung an die Bedürfnisse vor Ort. Was im Sommer 2009 als Schülereinsatz im normalen Unterricht der örtlichen Grund- und Hauptschule – im Englischen Primary School genannt – begann, fand nun seinen Abschluss im Bau eines speziellen Nachhilfegebäudes auf dem Schulgelände und der Einstellung einer eigenen kenianischen Nachhilfelehrerin. Obwohl der Einsatz westlicher Praktikanten – auch ohne pädagogische Vorbildung – in vielen vergleichbaren Hilfsorganisationen an der Tagesordnung ist, fanden wir diese Praxis zunehmend fragwürdig. Zu verschieden sind doch Lehrplan, Methodik und kulturelle Gegebenheiten, was letztlich oft zu mehr Verwirrung als Unterstützung bei den Schülern führt. Andererseits stellten unsere Lehramtspraktikanten bei ihren Einsätzen immer wieder fest, dass aufgrund der großen Klassenstärken und des oft unregelmäßigen Unterrichtsbesuches der Schüler individuell sehr große Lücken bestehen, vor allem im Bereich der Lesefähigkeiten. Diese Beobachtungen mündeten schließlich in den Bau eines eigenen Nachhilfegebäudes, um speziell diejenigen Schüler gezielt fördern zu können, die im öffentlichen Schulsystem längst den Anschluss verloren haben und Gefahr laufen, die Schule als Analphabeten zu verlassen.

Nach erfolgter Vorplanung konnte so im Juli 2011 im Rahmen eines Praktikanteneinsatzes mit dem Bau begonnen werden, nachdem hier – im Gegensatz zu unserem KiGa-Projekt in Kongoni – die Grundstücksfrage geklärt war. Dies erwies sich im weiteren Verlauf als besonders geglückte Kombination, da sich eine „einheimische Baustelle“ als wohl beste Möglichkeit herausstellte, deutsche Schülerpraktikanten sinnvoll einzusetzen und mit der Lebenswirklichkeit in Afrika vertraut zu machen. Und auch die einheimischen Arbeiter nahmen die Gelegenheit gerne wahr, in den gemeinsamen Arbeitspausen mehr über das Herkunftsland ihrer „Hilfsarbeiter“ zu erfahren – treffen sie doch sonst im täglichen Leben Weiße ausschließlich in leitenden Positionen an.

Die Idee, das neue Gebäude nicht im Stile der ortsüblichen Unterrichtsgebäude – allesamt britische Kolonialbauweise – sondern als modernen afrikanischen Rundbau zu errichten, wurde von einem unserer Sponsoren eingebracht und von unseren kenianischen Partnern begeistert aufgenommen. Mit vollem Einsatz widmete sich unser Projektmanager Francis Wambugu der neuen Aufgabe, überwachte täglich mehrmals den Baufortschritt und verhandelte mit Architekt und Handwerkern über Materialien, Angebote und Lieferzeiten. Auf das Ergebnis können wir stolz sein!

Nachdem eine lange Regenzeit die Fertigstellung des Grasdaches über Wochen verzögert hatte, war die „Lernhütte“ im Januar 2012 also fertig und wartete auf die ersten Schüler. Im Vorfeld hatte sich Projektleiterin Elke Bär einige Ratschläge und Konzepte bei den Förderlehrkräften der Grund- und Hauptschule Bindlach eingeholt und den angehenden Sonderschulpädagogen Markus Borgböhmer davon überzeugen können, dass seine Mithilfe beim Projektstart sehr hilfreich sei. Bei einem nächsten Besuch im Frühjahr 2012 wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Schulleiter und den Lehrkräften der Primary School die ersten Schüler ausgewählt und in drei Kleingruppen von M. Borgböhmer unterrichtet. Parallel dazu wurde die Inneneinrichtung vervollständigt und an die besonderen Bedürfnisse der Lerngruppe angepasst.

Schon bald waren Schüler, Schulleiter und die regulären Klassenlehrer vom Erfolg des Konzeptes überzeugt. Auf unserer Seite stellte sich nun die Frage, ob der Nachhilfeunterricht nicht in ein dauerhaftes Angebot überführt werden könnte. Glücklicherweise konnte unerwartet schnell eine Sponsorin zur Finanzierung einer einheimischen Lehrerin gefunden werden und kurz darauf auch eine entsprechende Lehrkraft.

Frau Jane Sampson bringt nicht nur Erfahrung als Erzieherin mit, sondern als vierfache Mutter auch genug Lebenserfahrung, um die vielen kleineren und oft auch ernsten häuslichen Schwierigkeiten ihrer Schüler richtig einschätzen und handhaben zu können. Sozialarbeit in unserem Sinne ist in Kenia aufgrund der leeren öffentlichen Kassen nicht möglich und wird meist auch als Aufgabe der Großfamilie gesehen, die damit aber allzu oft überfordert ist. So gilt es neben dem Unterricht immer ein offenes Ohr und Auge zu haben, auch wenn praktisch keine weiterführenden Hilfen angeboten werden können. Kindesmisshandlungen oder –missbrauch sind in Kenia zwar mit hohen Strafen belegt, im täglichen Alltag aufgrund der oft schwierigen häuslichen Verhältnisse, Arbeitslosigkeit, Alkoholmissbrauch, finanziellen Nöte und Abhängigkeiten aber dennoch an der Tagesordnung. Und außer liebevollem Verständnis können auch wir meist keine weiteren Hilfsangebote machen. Dennoch zeigt gerade dieses Einsatzfeld die unabdingbare Notwendigkeit, mit einheimischen Bezugspersonen und entsprechend langfristig zu arbeiten. Ohne ausreichende Sprachkenntnisse und Verständnis für die kulturellen Verhältnisse wäre jeder Versuch des „Verstehens“ schon von vornherein zum Scheitern verurteilt, und ohne Verstehen kann auch keine sinnvolle Hilfe erfolgen.

Seit Anfang April 2012 werden nun jeden Vormittag von 8 Uhr bis 12:30 Uhr 15 Schüler der Klassen 5 bis 8 in der Lernhütte unterrichtet. Sie erhalten so die Möglichkeit, die Unterrichtsprache Englisch in Wort und Schrift zu erlernen und damit aktiv am Unterricht teilnehmen zu können. Alle Prüfungen der Primary School ab der ersten Klasse finden auf Englisch statt, das nur in wenigen Elternhäusern im ländlichen Kenia gesprochen wird. Muttersprache der meisten Einheimischen ist die jeweilige Stammessprache, Umgangssprache im multikulturellen Timau meist Kiswahili. Tageszeitungen werden ausschließlich in Englisch herausgegeben und auch Beipackzettel für Medikamente, Beschriftungen für technische Geräte oder Dosieranleitungen für Agrarchemikalien sind in englischer Sprache verfasst. Daraus ergibt sich, dass auch einfache Hilfstätigkeiten, die nach Ableistung der achtjährigen Schulpflicht für diese Kinder in Frage kommen, ohne entsprechende Grundfähigkeiten im Lesen und Schreiben schwer zu bewältigen sind.

Umso berührender ist die Anblick der Jugendlichen, die sich mit vollem Einsatz der Aufgabe hingeben, aus einzelnen Buchstaben Wörter zusammenzulesen und keine Gelegenheit auslassen, das Gelernte anzuwenden. Frau Sampson hat für diese – im öffentlichen Schulsystem eigentlich nicht vorkommende – Aufgabe ihre eigene Methode entwickelt und wechselt souverän zwischen Frontalunterricht, Einzelbetreuung, Aktivitätsphasen und tolerantem Umgang mit dem doch oft recht hohen Bewegungsdrang der Schüler. So kommt es vor, dass die zierliche Lehrerin mit zwei Kindern vorne auf der Tafel Rechtschreibübungen macht, während zwei andere Schüler eigene Wörter auf die Hinterseite der Tafel schreiben, einige in ihrem Heft Übungen ausführen, wieder andere sich ein Buch aus dem Schrank holen und das dort Geschriebene zu entziffern versuchen und eine fünfte Gruppe mit einem Lesespiel beschäftigt ist. Und doch sind alle den ganzen Vormittag aus eigenem Antrieb nur mit Einem beschäftigt: endlich Lesen und Schreiben zu lernen, nachdem sie in ihren normalen Klassen schon seit langem nur noch in der letzten Reihe saßen und am Unterricht ausschließlich durch Zuhören teilnahmen – ohne je einen Hefteintrag zustande zu bringen oder in einer der häufigen Prüfungen jemals die Fragen zu verstehen.

Ein besonderes Highlight war dann auch der Besuch der öffentlichen Bücherei in Timau – auf besonderen Wunsch der Nachhilfeschüler! Und für uns Bildungs-verwöhnte Europäer ein überraschender Anblick, mit wie viel Neugier die „Schätze“ aus den Regalen geholt werden, wo die meisten der jungen Besucher doch noch Mühe haben, einzelne Wörter richtig zu lesen!

Aufgrund der nahen Regionalverwaltung – Timau wurde vor kurzem zum Verwaltungssitz des neugegründeten Buuri-Districtes benannt – hat die Primary School auch eine enge Anbindung an die örtliche politische Ebene. In diesem Zusammenhang genießt der auffällige afrikanische Rundbau hin und wieder die besondere Aufmerksamkeit regionaler Lokalpolitiker und gilt mit seinem Nachhilfeprojekt als Vorzeigemodell auch für andere Schulen. Wir freuen uns über jeden Nachahmer!

Und sobald sich weitere Sponsoren finden – nötig wären feste Förderzusagen in Höhe von 30 EUR pro Monat – könnte eine zweite Gruppe am Nachmittag unterrichtet werden!

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