{"id":2020,"date":"2017-10-02T15:46:09","date_gmt":"2017-10-02T14:46:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/?p=2020"},"modified":"2017-10-02T16:31:27","modified_gmt":"2017-10-02T15:31:27","slug":"reisebericht-pfingsten-2017","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/?p=2020","title":{"rendered":"Reisebericht Pfingsten 2017"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Gartenhaus-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-2029\" src=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Gartenhaus-1-300x212.jpg\" alt=\"Gartenhaus\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Gartenhaus-1-300x212.jpg 300w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Gartenhaus-1-140x99.jpg 140w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Gartenhaus-1-768x544.jpg 768w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Gartenhaus-1.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Zum Jahreswechsel 2016\/17 wurde endlich unser bisher gr\u00f6\u00dftes Projekt fertig: die neue Schulk\u00fcche samt Sanit\u00e4rbau. Aber nicht nur das: auch mein pers\u00f6nlicher Wunschtraum wurde Wirklichkeit, eine\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gartenh\u00fctte am Fu\u00dfe des Mount Kenya. Lange hatte ich ein Grundst\u00fcck gesucht, hier und da etwas gezeigt bekommen, was aber nicht passen wollte. Bis Francis mir vor zwei Jahren zum wiederholten Male einen Teil seines Grundst\u00fcckes anbot. Und siehe da,<!--more--> bei n\u00e4herem Hinsehen war das Grundst\u00fcck genau richtig f\u00fcr mich: unweit des Kindergartens, am Rande der Besiedelungsgrenze und welch ein Ausnahmefall: ungef\u00e4hr 20 Meter vom n\u00e4chsten B\u00e4chlein entfernt: einfach zwei Stufen hinuntersteigen, Gie\u00dfkanne vollsch\u00f6pfen, fertig!<\/p>\n<p>Mittlerweile hatte ich mehrere Male B\u00e4ume und Str\u00e4ucher gepflanzt, das Gel\u00e4nde eingez\u00e4unt und die Gie\u00dferei w\u00e4hrend meiner Abwesenheit organisiert. Und dabei im Kopfe Pl\u00e4ne \u00fcber eine H\u00fctte gemacht. Ilja Borgb\u00f6hmer war 2008 einer unserer ersten Praktikanten in Kenya und hatte mittlerweile nicht nur die Schule, sondern auch eine Lehre als Zimmerer abgeschlossen. Und sein Interesse signalisiert, meine H\u00fctte zu bauen! Obwohl wir ansonsten vorwiegend mit kenianischen Handwerkern arbeiten, erschien es mir in diesem Fall doch etwas zu schwierig, meine privaten Befindlichkeiten in einer fremden Sprache auszudr\u00fccken, die auch von den lokalen Handwerkern nur bruchst\u00fcckhaft gesprochen wird. Bei uns ist es ja eher so, dass wir einem Fachmann unsere W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse \u00e4u\u00dfern \u2013 und dieser dann brauchbare Vorschl\u00e4ge dazu entwickelt. In Kenia dagegen setzt der Arbeiter nur genau das um, was er angewiesen bekommt: wenn er also 5 Latten 2 x 3 Inch bestellen soll, bestellt er diese. Oder er hat sich unterwegs etwas anderes \u00fcberlegt und sich seine eigenen Gedanken dazu gemacht, dann werden es halt 4 oder 6 Latten. Oder er hat die Ansage gar nicht verstanden, m\u00f6chte dies aber nicht gerne zugeben. Das war mir dann doch eine Nummer zu schwierig als Privatperson ohne unseren Projektmanager als Bauleiter und so war ich froh \u00fcber das freundliche Angebot eines mir bekannten deutschen Handwerkers!<\/p>\n<p>Als wir im Dezember 2016 dann zu dritt in Kenia waren, hatte ich eigentlich recht wenig Zeit, um \u00fcber meine H\u00fctte nachzusinnen. Die Schulk\u00fcche musste ja bis zum Jahresende fertig werden und da waren noch viele Fragen und Details offen, die die volle Aufmerksamkeit unseres Architekten Klaus Pastner und mir ben\u00f6tigten. Ilja verlie\u00df die gemeinsame Wohnung t\u00e4glich vor acht am Morgen mit geladenem Akkuschrauber und Handyakku. Wenn es ging, schauten Klaus und ich auch mal kurz auf \u201emeiner Baustelle\u201c vorbei, um uns dann wieder den t\u00e4glichen Herausforderungen zu widmen. Manchmal auch nicht \u2013 warum auch \u2013 es lief ja alles wie am Schn\u00fcrchen. Hin und wieder fragte Ilja abends auch mal nach \u201ewillste es so oder so haben?\u201c \u2013 aber am Ende wusste er ja mehr als ich selbst. Die Tage vergingen wie im Flug und schon waren 4 Wochen vorbei \u2013 und Klaus und ich mussten die Heimreise antreten, w\u00e4hrend Ilja noch blieb, um meine H\u00fctte fertigzumachen. Und welch eine Freude: p\u00fcnktlich zu meinem 53. Geburtstag kam ein Foto: fertig! Lustig war nur, dass Ilja gar nicht wusste, dass es mein Geburtstag war. Hatte sich halt so ergeben.<\/p>\n<p>Nun war also mein Traum fertig: und ich hatte ihn noch nie \u201ein echt\u201c gesehen! Das war nat\u00fcrlich eine Herausforderung, der ich nicht allzu lange standhielt. Immer mit Blick auf den Terminkalender, wann sich eine g\u00fcnstige Gelegenheit bot, mal eben kurz f\u00fcr 2 Wochen wegzuk\u00f6nnen, boten sich dann die Pfingstferien an. Also Flug buchen und den Koffer voll mit Einrichtungsgegenst\u00e4nden und meiner f\u00fcr diesen Zweck angeschafften Permakulturliteratur. Und noch so einiges, was auf dem heimischen B\u00fccherschrank keinen Platz mehr gefunden hatte. Sicher hatte ich den ganzen Tag Zeit zum Lesen!<\/p>\n<p>Und welch ein Erlebnis: alles passte perfekt. Durch das Hochstellen der H\u00fctte auf Betonfundamente war der Raum warm und trocken \u2013 und im Gegensatz zum Office in Timau fast v\u00f6llig staubfrei. Ilja hatte nach eigenem Gutd\u00fcnken noch einige Regale und Bretter angebracht \u2013 alles dort, wo es sein sollte. Und auch der \u201eSanit\u00e4rbereich\u201c \u2013 der kritischste Punkt des ganzen Bauvorhabens und einer der wesentlichen Gr\u00fcnde, um nicht mehr vorwiegend in gemieteten Unterk\u00fcnften zu wohnen \u2013 stellte seine Praxistauglichkeit schnell unter Beweis. Eimerdusche im abgetrennten Hinterteil der H\u00fctte \u2013 und das Wasser l\u00e4uft durch die weitere Lattung einfach nach unten ab und diese ist aufgrund der Witterung sofort wieder trocken. Und die Komposttoilette ist ebenso praktikabel und hygienisch f\u00fcr die Privatnutzung. Und nat\u00fcrlich die Sitzbereich vorne mit Ausblick auf den Mount Kenya!!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Besuch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2031\" src=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Besuch-300x200.jpg\" alt=\"Besuch\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Besuch-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Besuch-140x93.jpg 140w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Besuch-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Besuch.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Meinen ersten Abend verbringe ich dann bei Mondlicht in eine Decke gewickelt alleine auf der Veranda und lausche den Ger\u00e4uschen um mich herum: Hundegebell, Motorradgeknatter, menschliche Stimmen aus den H\u00fctten der Nachbarschaft. Und das alles f\u00fchlt sich nicht einmal mehr im Entferntesten wie eine fremde Welt an \u2013 es sind gewohnte Kl\u00e4nge der zweiten Heimat.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen begr\u00fc\u00dft mich Francis mit einem breiten Grinsen im Cybercafe: \u201eNa, wie war die erste Nacht? Kalt?\u201c. Und recht hat er: es war wirklich verdammt kalt. Ich bin sogar nochmals aufgestanden, um meine W\u00e4rmflasche nachzuw\u00e4rmen. Aber das bekomme ich schon noch in den Griff: muss halt noch eine zweite Bettdecke her. Jetzt verstehe ich auch den Unterschied zwischen einem Steinhaus und einer Holzh\u00fctte. Und vielleicht hat Evangelina doch nicht so ganz unrecht, wenn sie sagt: \u201eman muss abends ordentlich essen, damit man nachts nicht friert!\u201c Jedenfalls entwickle ich in den zwei Wochen sogar eine gewisse Zuneigung zu der st\u00e4ndig gef\u00fcllten Teekanne der Kenianer. Als ich meinem Mann gegen\u00fcber erw\u00e4hne, dass es nachts kalt ist, kommt prompt die Antwort eines deutschen Ingenieurs: \u201eKalt? Wie kalt? Hast Du kein Thermometer??\u201c. Doch, habe ich \u2013 also: nachmittags 24\u00b0C in der H\u00fctte, abends nach Sonnenuntergang 18\u00b0C, am n\u00e4chsten Morgen noch schattige 11\u00b0C innerhalb \u2013 und oh! \u2013 6\u00b0C au\u00dferhalb der H\u00fctte. Jetzt wei\u00df ich auch, warum mir in den fr\u00fchen Morgenst\u00fcnden doch etwas kalt ist. Und warum die Einheimischen mein Traumgrundst\u00fcck ungern als Bauplatz nutzen \u2013 das nahe Wasser hat wohl auch so seine Nachteile!<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt stellt sich das Leben und auch meine Sichtweise den Menschen und unserer Projektarbeit gegen\u00fcber nun ganz anders dar. Ich geh\u00f6re jetzt zum Dorf, man sieht mich arbeiten, essen, lesen, wei\u00df, wann ich aufstehe und zu Bett gehe, wann ich da bin und wann nicht. Und man nimmt lebhaft Anteil an meinem Dasein \u2013 und auch am Anderssein. Au\u00dferdem l\u00e4sst sich bei einem entspannten Privatbesuch auch mal einiges fragen und erkl\u00e4ren, Tee, Milch und ausreichend Zucker ist deshalb ein unbedingtes Muss in meinem Vorrat. Manch einer probiert gerne auch von meinem Kaffee \u2013 den habe ich aber von zuhause mitgebracht -gewachsen ist er allerdings in Tanzania. Und ich verstehe nun auch manches besser \u2013 und wundere mich, wie viele Eimer Wasser ich alleine doch brauche, auch wenn ich nur einmal rund um die H\u00fctte muss, um das Wasser aus der Regentonne zu holen. Sauberes Wasser. Wie w\u00e4re es erst, wenn ich mir braune Br\u00fche aus einigen Kilometern Entfernung holen m\u00fcsste?<\/p>\n<p>Trotz aller Privatheit gibt es nat\u00fcrlich auch im Kindergarten noch einige Auftr\u00e4ge zu erledigen. Allen voran die Regenwassernutzung. Au\u00dferdem stelle ich zu meinem Erstaunen fest, dass der Wasseranschluss in der neuen K\u00fcche noch nicht optimal l\u00e4uft, da durch die Wasserrationierung nur jeden 4. Tag Wasser aus der Leitung kommt \u2013 die restlichen Tage muss das Wasser aus dem Speichertank genutzt werden &#8211; mit Wasserschlauch oder Eimer. Und somit l\u00e4uft auch kein Wasser durch die neue Solaranlage. Das ist schlecht f\u00fcr die Anlage und muss schnellstm\u00f6glich ge\u00e4ndert werden.<\/p>\n<p>Im Vorfeld gab es schon einige Diskussionen, wie man das <a href=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Zisterne.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-2035\" src=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Zisterne-209x300.jpg\" alt=\"Zisterne\" width=\"209\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Zisterne-209x300.jpg 209w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Zisterne-97x140.jpg 97w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Zisterne-768x1103.jpg 768w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Zisterne-713x1024.jpg 713w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Zisterne.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/><\/a>Regenwasser am besten sammeln und verwenden k\u00f6nne. Seit 2015 schreibt G\u00e4rtnerin Mary jeden Tag zuverl\u00e4ssig die Regenmengen auf und das Ergebnis ist doch sehr beeindruckend: ca. 2.500 bis 3.000 Liter pro Quadratmeter und Jahr, in Bayreuth sind es ca. 750 Liter. Auf den beiden Hauptdachfl\u00e4chen der neuen Klassenzimmer und der K\u00fcche kommen somit \u00a0ca. 300 m\u00b3 pro Halbjahr zusammen, die man sinnvollerweise f\u00fcr den Gem\u00fcsegarten nutzen k\u00f6nnte. Aber wie speichern? Der gr\u00f6\u00dfte Tank im Kindergarten fasst 10 m\u00b3 &#8211; das w\u00e4ren also 30 solcher Riesen-Plastiktanks. Aber da muss das Wasser dann ja auch erst einmal rein, also m\u00fcssten die Tanks in den Erdboden eingegraben werden, da sich die Dachrinnen auf einer H\u00f6he von ca. 2,5 m befinden. Die Frage w\u00e4re dann aber: wie wieder raus \u2013 ohne Strom und somit ohne Pumpe? Und wohin, wenn die Tanks voll sind \u2013 ohne Abwassersystem?<\/p>\n<p>Bei einiger Internet-Recherche bin ich durch Zufall auf ein Projekt der deutschen \u201eIngenieure ohne Grenzen\u201c in der N\u00e4he von Nyahururu gesto\u00dfen. Der Verein errichtet dort gemauerte Zisternen f\u00fcr den Hausgebrauch. Vielleicht l\u00e4sst sich ja etwas abschauen und ein Kontakt zu kenianischen Facharbeitern herstellen? Francis erkl\u00e4rt sich zu einem gemeinsamen Besuch bereit und wir machen uns auf die Reise: ohne Navi, aber mit ungef\u00e4hren Vorstellungen des Zieles. Zur Mittagszeit kommen wir dann in der Geh\u00f6rlosenschule in Sipili an. Dort wei\u00df man zwar nichts vom Wasserprojekt, l\u00e4dt uns aber erst mal zum Mittagessen ein. Und siehe da: einer der Anwesenden kennt einen Bekannten von Francis in Timau, \u00fcber weitere Nachfragen erinnert man sich dann auch an die Deutschen Mitarbeiterinnen der Ingenieure ohne Grenzen. Als wir dann die Internetseite im Handy nochmals aufrufen, erkennt eine Lehrerin ihre Schwester auf dem Foto \u2013 und erkl\u00e4rt und sich sofort bereit, uns zu ihr zu bringen. Aber vorher m\u00fcssen wir nat\u00fcrlich noch die Schule besichtigen: ungeplant \u2013 aber bewegend: Geh\u00f6rlose \u2013 wie eigentlich alle Behinderte \u2013 haben in Afrika generell sehr schlechte Bildungschancen, so gibt es auch sehr wenige Spezialschulen und diese sind entsprechend schlecht ausgestattet. Umso mehr beeindruckt das ungeheurere Engagement des Schulleiters, f\u00fcr seine Sch\u00fctzlinge das Beste herauszuholen. Nat\u00fcrlich hofft er auch auf Unterst\u00fctzung von unserer Seite. Die Schule ist seit Monaten ohne Wasser \u2013 nur weil die Wasserpumpe kaputt ist und niemand in der Lage, diese zu reparieren. Es g\u00e4be f\u00fcrwahr viele Aufgaben f\u00fcr Menschen, die einen Aktivurlaub bevorzugen.<\/p>\n<p>Danach geht es dann zu Christine und ihrer neuen Zisterne, die sie uns stolz zeigt. Francis hat die M\u00f6glichkeit, mit einem der Nachbarn zu sprechen, der beim Bau mitgeholfen hat. F\u00fcr die Familie ist die Zisterne ein gro\u00dfer Fortschritt. Aber f\u00fcr uns wird ziemlich schnell klar, dass die Bauweise zwar kosteng\u00fcnstig und somit auch f\u00fcr einfache Leute erschwinglich ist, unseren Bed\u00fcrfnissen aber nicht gerecht wird. Au\u00dferdem erfahren wir, dass der Konstrukteur in Nairobi sitzt, diesen anzutreffen war eigentlich unser Hauptanliegen. Sp\u00e4ter sagt man uns, dass es eh nicht ratsam gewesen w\u00e4re, mit ihm zu arbeiten. Somit endet dieser Ausflug etwas entt\u00e4uschend, ich vereinbare sp\u00e4ter aber trotzdem ein Treffen zuhause in Deutschland mit Mareike, der zust\u00e4ndigen Bauingenieurin, auch wenn es nur um den Austausch von Erfahrungen geht \u2013 lernen kann und sollte man immer!<\/p>\n<p>Daneben steht die weitere Entwicklung des Kindergartens in Kongoni auf der Agenda. Unsere Bauma\u00dfnahmen haben nat\u00fcrlich <a href=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Meeting.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2034\" src=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Meeting-300x160.jpg\" alt=\"Meeting\" width=\"300\" height=\"160\" srcset=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Meeting-300x160.jpg 300w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Meeting-140x75.jpg 140w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Meeting-768x409.jpg 768w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Meeting.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>auch die Aufmerksamkeit des zust\u00e4ndigen Schulleiters der Primary School in Timau geweckt. Immer dringlicher wird dort der Bedarf nach neuen Klassenr\u00e4umen. Die Sch\u00fclerzahl hat so stark zugenommen, dass mittlerweile teilweise schon Klassenst\u00e4rken von 100 Sch\u00fclern erreicht sind! Seit l\u00e4ngerem wird der Wunsch an uns herangetragen, in Kongoni auch R\u00e4ume f\u00fcr den Grundschul-bereich bereitzustellen, um die Schule in Timau zu entlasten, die Kosten f\u00fcr die Lehrkr\u00e4fte w\u00fcrden von staatlicher Seite getragen.<\/p>\n<p>Wir vereinbaren ein weiteres Treffen zur Offenlegung unserer Finanzen. Momentan besuchen 80 Kinder den Kindergarten in Kongoni, bei einer Erweiterung um einen Grundschulbereich w\u00e4ren dies mindestens 200 Kinder. Auch wenn der Bau weiterer Klassenr\u00e4ume finanziell zu bew\u00e4ltigen w\u00e4re \u2013 ein wesentlicher Teil unsere Ausgaben bestehen in der Mittagsverpflegung und den medizinischen Untersuchungen. Kann man 80 Kindergartenkindern Essen geben \u2013 und 120 Grundschulkinder m\u00fcssen zusehen? Kann man nicht \u2013 soweit ist man sich am Ende der Beratungen einig. Und unser Verein hat momentan nicht die Kapazit\u00e4ten, um das Essensprogram auf eine solche Kinderzahl aufzustocken. In diesem Zusammenhang geben die Frauen des Elternrates zu bedenken, dass es immer noch Kinder im Dorf gibt, die die Einrichtung aus finanziellen Gr\u00fcnden \u00fcberhaupt nicht besuchen k\u00f6nnen. Francis und ich dr\u00e4ngen auf eine st\u00e4rkere Mitwirkung des lokalen Schulkomitees in Fragen der Verteilung der Finanzmittel \u2013 nat\u00fcrlich ein heikles Thema. Wenn es um die Einsch\u00e4tzung von Bed\u00fcrftigkeit geht \u2013 wer will dies entscheiden, ohne sich den Unmut der Dorfgemeinschaft zuzuziehen? Dennoch f\u00fchrt aus unserer Sicht kein Weg vorbei an mehr Transparenz und lokaler Mitbestimmung \u2013 das einzige Mittel zur Vermeidung von Korruption und dem Auseinanderdriften von Arm und Reich. Ein Anfang ist jedenfalls gemacht \u2013 und wir werden bei jeder folgenden Entscheidung immer wieder in diese Richtung verweisen.<\/p>\n<p>Mein pers\u00f6nliches \u201eHighlight\u201c in Sachen Projektarbeit kam allerdings v\u00f6llig unerwartet. Schon des l\u00e4ngeren hatte es in der \u201eGirl\u00b4s Hut\u201c Unzufriedenheiten der M\u00e4dchen bez\u00fcglich der mehr oder weniger regelm\u00e4\u00dfigen Treffen gegeben. Das Thema \u201eGesundheitsvorsorge\u201c wurde wohl in der Theorie in den Schulen ausreichend behandelt \u2013 aber obwohl die Praxis dann oft anders aussah, fanden die M\u00e4dchen die Belehrungen diesbez\u00fcglich anscheinend wenig attraktiv und die Teilnahme ging stark zur\u00fcck. Wir diskutierten das Thema ausf\u00fchrlich in der Vorstandschaft, ohne allerdings zu einem vern\u00fcnftigen Entschluss zu kommen. Kurz nach meiner Ankunft in Timau baten mich die gr\u00f6\u00dferen M\u00e4dels dann um einen Besprechungstermin, in dem sie mir ihre Unzufriedenheit mit der Situation darstellten. Bereits im April hatten sie sich gegen\u00fcber Patricia und Salome \u2013 den beiden Leiterinnen der M\u00e4dchenh\u00fctte &#8211; durchgesetzt mit ihrer Forderung nach Mathe- und Chemienachhilfe in den Ferien. Nun konfrontierten sie mich mit dem Anliegen, im Juni eine Woche und w\u00e4hrend der Augustferien vier Wochen Nachhilfe zu erhalten \u2013 und das in Zukunft selbst zu verwalten. Das darauf folgende Gespr\u00e4ch mit Patricia und Salome war offen und fair. Die beiden stimmten sofort zu, dass ihr Engagement keinen Sinn mache, wenn die M\u00e4dchen selbst dies nicht w\u00fcnschten. F\u00fcr mich kam das etwas \u00fcberraschend, da streitet man in Deutschland sehr viel l\u00e4nger um den Erhalt von Arbeitspl\u00e4tzen \u2013 auch wenn alternative Einkommensm\u00f6glichkeiten oft wesentlich aussichtsreicher sind als in Afrika \u2013 und es hat mich doch sehr beeindruckt!<\/p>\n<p>Um mich von dem Konzept zu \u00fcberzeugen, luden mich die M\u00e4dchen ein, am Chemiepraktikum teilzunehmen. Eine Stunde sp\u00e4ter als vereinbart \u2013 die Verhandlungen mit dem Schulkomitee waren <a href=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Girls-project.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-2032\" src=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Girls-project-300x169.jpg\" alt=\"Girls project\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Girls-project-300x169.jpg 300w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Girls-project-140x79.jpg 140w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Girls-project-768x432.jpg 768w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Girls-project.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>langwierig gewesen \u2013 kam ich dann ziemlich abgehetzt in der M\u00e4dchenh\u00fctte an \u2013 mittags kurz nach zw\u00f6lf. Da sa\u00dfen die f\u00fcnf Oberstufen-Sch\u00fclerinnen mit ihrem Lehrer seit 8 Uhr am Morgen \u2013 zuerst zwei Stunden Mathe \u2013 kurze Pause \u2013 dann noch zwei Stunden Chemie-Praktikum. Der Lehrer unterrichtet ansonsten an der Katholischen M\u00e4dchenschule in Timau und hatte seine ganze Ausr\u00fcstung dabei: Bunsenbrenner, Reagenzgl\u00e4ser, Fr\u00fcchte, Chemikalien. Es ging um die Feststellung bestimmter Inhaltsstoffe (Zucker, S\u00e4uren etc.) in Fl\u00fcssigkeiten \u2013 Pr\u00fcfungsstoff f\u00fcr die Abschlusspr\u00fcfung an der Secondary School. Die Pr\u00fcfungsnoten hierbei bestimmen \u00fcber den weiteren Bildungsweg der Sch\u00fcler \u2013 das ist den M\u00e4dchen durchaus bewusst. Die Stimmung schl\u00e4gt mich sofort in Bann: wie kann man nach 4 Stunden Unterricht noch so begeistert bei der Sache sein? \u2013 alle Sch\u00fclerinnen sind voll konzentriert im Thema, trotzdem herrscht ein offener, freundlicher Umgangston, es wird viel gelacht \u2013 aber auch viel gefragt \u2013 immer und immer wieder \u2013 bis es verstanden ist! Ja \u2013 das ist es, was wir wollten: die M\u00e4dchen m\u00fcssen sich an der Sache weiterentwickeln \u2013 nach vorne, nicht in Verboten, sondern an ihren M\u00f6glichkeiten und den Anforderungen der Gesellschaft entlang \u2013 dann sind sie auch bereit, an ihren Schwachstellen zu arbeiten. Der Lehrer h\u00e4lt einen freundlichen und respektvollen Umgangston \u2013 aber immer sch\u00f6n sachlich und Distanz wahrend. Welch ein Unterschied zu den Treffen der Vergangenheit, als es darum ging, das Privatleben der M\u00e4dels zu diskutieren \u2013 mit gesenkten Blicken und wenig Bereitschaft, mehr als das unbedingt N\u00f6tigste von sich preiszugeben. Und wie sich alles so f\u00fcgt: kurz vorher hatte ein Sch\u00fclerprojekt des RWG in Bayreuth die ben\u00f6tigten Mittel f\u00fcr den Nachhilfeunterricht bereitgestellt. Manchmal l\u00f6sen sich Dinge einfach fast von selbst.<\/p>\n<p>Andere Dinge m\u00fcssen allerdings aktiv gel\u00f6st werden \u2013 so z.B. die fehlende Wasserzufuhr der Solaranlage in Kongoni. So einfach wie bei uns ist die Situation eben nicht: es fehlen die f\u00fcr uns selbstverst\u00e4ndlichen Hochbeh\u00e4lter zur Erzeugung eines ausreichenden Wasserdruckes, um das Wasser \u201eaus der Leitung laufen zu lassen\u201c. Ansonsten hilft man eben mit einer Pumpe nach. Genau das wollte Francis aber unbedingt vermeiden \u2013 auch keine Solarpumpe \u2013 wie von Friedrich favorisiert. Nach der Erfahrung an der Geh\u00f6rlosenschule in Sipili kann ich ihn verstehen \u2013 er hat auch ohne Pumpe schon genug \u00c4rger mit st\u00e4ndig zu \u00fcberwachenden technischen und sozialen Details. Kurz vor Abreise pr\u00e4sentiert er mir einen Plan eines zweistufigen Standger\u00fcstes f\u00fcr einen Hochtank: hoch und gro\u00df genug, um die Solaranlage durchgehend mit Wasser zu versorgen und niedrig genug, damit der Wasserdruck ausreicht, um den Tank zu bef\u00fcllen. Und einen zweiten, kleineren <a href=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Hochtank.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2033\" src=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Hochtank-260x300.jpg\" alt=\"Hochtank\" width=\"260\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Hochtank-260x300.jpg 260w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Hochtank-121x140.jpg 121w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Hochtank-768x885.jpg 768w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Hochtank-889x1024.jpg 889w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Hochtank.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/a>Tank, um das Regenwasser des Sanit\u00e4rgeb\u00e4udes aufzufangen und in die Waschbecken der Toiletten zu leiten. Da ich wenig Erfahrung besitze, frage ich zuhause an: Architektenfreund Klaus zweifelt, ob das Ganze auch gerechnet, oder nur gesch\u00e4tzt ist. Mein Ehemann Friedrich meint, gute Sch\u00e4tzwerte reichen \u2013 Rechnen kann man unter diesen Umst\u00e4nden nicht fordern. Und tats\u00e4chlich: es funktioniert \u2013 die K\u00fcche hat nun durchgehend kaltes und warmes Wasser. Der Bedarf an Feuerholz hatte sich bereits durch die neuen Energiesparherde um ca. 25 % verringert. Durch den Einsatz von Warmwasser sollte sich eine weitere Reduktion ergeben, auch wenn nat\u00fcrlich zu erwarten ist, dass ein Teil der Ersparnis durch den erh\u00f6hten Komfort und auch gesteigerten Reinigungsbedarf der neuen K\u00fcche wieder zunichte gemacht wird. Ist halt auch nicht anders als bei uns.<\/p>\n<p>Das war im Wesentlichen das Ergebnis von zwei Wochen Pfingstferien. Einiges konnte gel\u00f6st werden \u2013 anderes, allen voran die Regenwasserbevorratung und die Frage der reduzierten Schulgelder \u2013 muss in die weitere Planung genommen werden. So gibt es wenigsten auch in Zukunft die Notwendigkeit f\u00fcr Reisen ins tropische Afrika.<\/p>\n<p><em>Elke B\u00e4r<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Jahreswechsel 2016\/17 wurde endlich unser bisher gr\u00f6\u00dftes Projekt fertig: die neue Schulk\u00fcche samt Sanit\u00e4rbau. Aber nicht nur das: auch mein pers\u00f6nlicher Wunschtraum wurde Wirklichkeit, eine\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gartenh\u00fctte am Fu\u00dfe des Mount Kenya. Lange hatte ich ein Grundst\u00fcck gesucht, hier und da etwas gezeigt bekommen, was aber nicht passen wollte. Bis Francis mir vor zwei Jahren [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-2020","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-reiseberichte"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2020","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2020"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2020\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2038,"href":"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2020\/revisions\/2038"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2020"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2020"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2020"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}