{"id":577,"date":"2009-09-14T14:19:32","date_gmt":"2009-09-14T13:19:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/?page_id=577"},"modified":"2018-05-12T14:52:50","modified_gmt":"2018-05-12T13:52:50","slug":"bildungssituation-in-kenia","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/?page_id=577","title":{"rendered":"Bildungssituation in Kenia"},"content":{"rendered":"<p>Der Lehrplan orientiert sich am sog. 8-4-4-System, d.h. 8 Jahre Grundschule (Primary School), 4 Jahre Gymnasium (Secondary School) und 4 Jahre Hochschule. Nach und nach wird im Lehrplan das koloniale System, bei dem in erster Linie europ\u00e4ische Lehrinhalte vermittelt wurden, durch afrikanische Inhalte ersetzt.<\/p>\n<p>Jedes Jahr findet zwischen den Schulen ein spannender Wettkampf um die h\u00f6chsten Punktzahlen im nationalen Wettbewerb statt. Die Medien berichten ausf\u00fchrlich und mit gef\u00fchlvollen Homestories \u00fcber die stolzen Sieger und Siegerinnen. Dies f\u00fchrt zunehmend zu einer sp\u00fcrbaren Pr\u00fcfungsausrichtung des Unterrichts zu Lasten einer umfassenden Bildung, die auch Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung und Handlungskompetenz mit einschlie\u00dft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Vorschulerziehung<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-610\" title=\"KAG_KiGa_reduziert\" src=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/KAG_KiGa_reduziert-300x225.jpg\" alt=\"KAG_KiGa_reduziert\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/KAG_KiGa_reduziert-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/KAG_KiGa_reduziert-140x105.jpg 140w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/KAG_KiGa_reduziert.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Kinderg\u00e4rten haben meist den Charakter einer Vorschule, die Unterrichtssprache ist Kiswahili, gerade in sehr l\u00e4ndlichen Gebieten wird zuhause noch oft vorwiegend die Stammessprache (z.B. Kikuyu, Kimeru ect.) gesprochen. Daneben wird als zweite Unterrichtssprache bereits Englisch eingef\u00fchrt, das im Verlauf der Grundschule immer wichtiger wird und im weiteren Schulverlauf als einzige Unterrichtssprache dient. Am Ende der Vorschule sollen alle Kinder lesen und schreiben k\u00f6nnen und die den Zahlenraum von 1 bis 10 beherrschen, dies wird mit Tests abgepr\u00fcft. Daneben kommt der Vorschule eine wichtige Aufgabe im Bereich der Gesundheitsvorsorge und sonstiger Grundbildung zu, wie sie bei uns eher im Elternhaus angesiedelt ist. Im Gegensatz zur Grundschule ist der Kindergarten allerdings nicht kostenfrei, sondern muss von den Eltern bezahlt werden. Das Schuljahr wird dem britischen System in 3 sog. Terms eingeteilt (Weihnachten bis Ostern, Ostern bis Sommerferien und September bis Weihnachten). Jeder Term kostet z.B. im E.C.D.C. in Kongoni 1.000 KSH, umgerechnet ca. 10 EUR. Zur Aufnahme in die kostenfreie Grundschule muss eine Bescheinigung des Vorschulbesuches sowie ein Nachweis, dass dort keine Zahlungsr\u00fcckst\u00e4nde mehr bestehen vorgelegt werden. Im Ausnahmefall entscheidet der Schulleiter \u00fcber Sonderregelungen, da ansonsten das Einschulalter zu sehr ansteigen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>In Kenia hat Schulbildung einen sehr hohen Stellenwert erreicht, was dazu f\u00fchrt, dass finanziell besser gestellte Eltern ihren Nachwuchs lieber in besser ausgestattete private Kinderg\u00e4rten und Schulen schicken. Damit wird aber gerade den lokalen Einrichtungen die wirtschaftliche Basis entzogen und das Solidarit\u00e4tsprinzip ausgeh\u00f6hlt.<\/p>\n<h3>Achtj\u00e4hrige Grundschule<\/h3>\n<p>Besonders auf dem Land wurden bis vor kurzem die meisten Grundschulen nach dem Harambee-Prinzip unterhalten, d.h. die Eltern finanzierten sie durch Spenden selbst. Diese Schulen waren in jeder Hinsicht arm. Die Situation verbesserte sich erst, als 2003 die Regierung Kibaki ihr Wahlversprechen einl\u00f6ste und das Schulgeld f\u00fcr die &#8222;Primary Schools&#8220; abschaffte. Damit erm\u00f6glichte sie zum ersten Mal den Zugang zur Bildung f\u00fcr Kinder aus \u00e4rmeren Familien. Es gingen pl\u00f6tzlich 1,7 Millionen Kinder mehr zur Schule. Jedoch blieben Investitionen im Bildungssektor aus, und das Schulsystem ist kaum im Stande, der steigenden Anzahl von Sch\u00fclern gerecht zu werden.<\/p>\n<p>Das Lehrer-Sch\u00fcler-Verh\u00e4ltnis ist landesweit auf 1:100 gefallen, ein qualitativ guter Unterricht ist daher kaum<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-611\" title=\"Pause_reduziert\" src=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Pause_reduziert-300x225.jpg\" alt=\"Pause_reduziert\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Pause_reduziert-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Pause_reduziert-140x105.jpg 140w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Pause_reduziert.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/> m\u00f6glich. Zudem nimmt die Zahl der Lehrer kontinuierlich ab. Und wer eine halbwegs akzeptable Lehrer-Sch\u00fcler-Relation f\u00fcr seine Kinder w\u00fcnscht mit dem daraus resultierenden besseren Lernerfolg und sich nicht zufrieden gibt nur dem Papier nach seine Kinder eine Klasse weiter aufsteigen zu lassen, ist weiterhin gezwungen, seine Kinder gegen entsprechendes Schulgeld auf eine der vielen Privatschulen zu schicken.<\/p>\n<p>Daneben wird auch noch zwischen Tages-Schulen und Internats-Schulen unterschieden, meist sind die \u00f6ffentlichen Schulen Tagesschulen, das hei\u00dft, der Unterricht dauert von 8:00 bis 16:00 Uhr, das Mittagessen muss von den Eltern mitgegeben werden. Privatschulen werden meist als Internatsschulen (Boarding Schools) gef\u00fchrt, da die Sch\u00fcler von weiter her kommen. Dies hat oft den Vorteil, dass die Sch\u00fcler sich besser auf das Lernen konzentrieren k\u00f6nnen, als in den oft sehr engen h\u00e4uslichen Umst\u00e4nden, wo die Kinder meist auch noch zu Haus- und Feldarbeit und Beaufsichtigung der Geschwister herangezogen werden und nicht selten auch unter h\u00e4uslichen Spannungen zu leiden haben. Allerdings k\u00f6nnen sich auch hier nur finanziell bessergestellte Elternh\u00e4user diese Bildungseinrichtung leisten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-612\" title=\"Girls_Secondary_reduziert\" src=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Girls_Secondary_reduziert-300x225.jpg\" alt=\"Girls_Secondary_reduziert\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Girls_Secondary_reduziert-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Girls_Secondary_reduziert-140x105.jpg 140w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Girls_Secondary_reduziert.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Weiterf\u00fchrende Schulen<\/h3>\n<p>Weiterf\u00fchrende Schulen (Klasse 9 -12) sind quasi Gesamtschulen und kostenpflichtig. Ihre Tr\u00e4ger sind der Staat, gro\u00dfe Organisationen wie z.B. die Kirchen oder Privatleute. Die beiden letzteren werden allgemein als Privatschulen bezeichnet. Aufgrund der Kosten sind diese Schulen f\u00fcr gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung unzug\u00e4nglich, auch wenn die Privatschulen Stipendien vergeben. Einige Schulen nehmen kostenlos nur begabte Kinder aus den Slums auf. Es ist durchaus von Vorteil eine der meist seit Jahren ber\u00fchmten Elite-Schulen (wie etwa die Alliance High School) besucht zu haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Berufsausbildung<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-613\" title=\"Flexen_am_Boden_reduziert\" src=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Flexen_am_Boden_reduziert-300x225.jpg\" alt=\"Flexen_am_Boden_reduziert\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Flexen_am_Boden_reduziert-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Flexen_am_Boden_reduziert-140x105.jpg 140w, http:\/\/www.pro-a-kids.org\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Flexen_am_Boden_reduziert.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/h3>\n<p>Eine Berufsausbildung, wie sie in Deutschland etwa nach dem Dualen System oder in Berufsfachschulen fl\u00e4chendeckend bekannt ist, existiert in Kenia nicht. Entweder erfolgt eine Art Ausbildung im Betrieb (in-service-training) oder an einer in den St\u00e4dten zahlreichen Privatinsituten, etwa f\u00fcr Kfz-Mechaniker, Fris\u00f6re oder Computerfachleute. Alle diese Ausbildungen kosten Geld. Ein Hardware-Fachmann wird z.B. in Nairobi f\u00fcr 2.000 EUR in 18 Monaten ausgebildet. So eine Ausbildung erh\u00f6ht die Chancen auf dem freien Markt enorm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Universit\u00e4ten<\/h3>\n<p>Die wenigen besten Sch\u00fcler erhalten an den f\u00fcnf staatlichen Universit\u00e4ten kostenlose Studienpl\u00e4tze. Wer weniger &#8222;gut&#8220; ist, ist auf die kostenpflichtigen (internationalen) Privatuniversit\u00e4ten angewiesen. An den Universit\u00e4ten fehlt es \u00f6fter an n\u00f6tigen Geldern, daher sind Streiks der Dozenten oder Studenten h\u00e4ufig.<\/p>\n<p>Noch immer zieht es die Elite des Landes (oder Gemeinschaften, die \u00fcber Harambee das Geld aufbringen) vor, ihre Kinder in Gro\u00dfbritannien oder den USA studieren zu lassen. Einige kommen zum Studium auch nach Deutschland. Ein Auslandsstudium gibt ihnen in der Regel einen Startvorteil bei der Berufssuche. Manche Studieng\u00e4nge k\u00f6nnen in Kenia nicht belegt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Lehrplan orientiert sich am sog. 8-4-4-System, d.h. 8 Jahre Grundschule (Primary School), 4 Jahre Gymnasium (Secondary School) und 4 Jahre Hochschule. Nach und nach wird im Lehrplan das koloniale System, bei dem in erster Linie europ\u00e4ische Lehrinhalte vermittelt wurden, durch afrikanische Inhalte ersetzt. 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